zurück

Salz macht hungrig, nicht durstig

18. Mai 2017 13:07

DEUTSCHLAND (Köln) – Gleich zwei Langzeitstudien haben eine lange gängige These widerlegt. Wer viel Salz isst wird davon nicht etwa durstig, er bekommt stattdessen Hunger.

Von Ruth Preywisch

Die Verarbeitung des Salzes verbraucht viel Energie
Die Verarbeitung des Salzes verbraucht viel Energie

Wie Salz im Essen das Trinkverhalten beeinflusst, wurde nie in einer Langzeitstudie überprüft. Bekannt war bisher lediglich, dass mehr Salz in der Nahrung die Produktion von Urin stimuliert. Diese zusätzliche Flüssigkeit stammt aus Getränken – so die bisherige These.

Ein Forschungsteam vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), dem Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC), der Vanderbilt University und weiteren internationalen Kolleginnen und Kollegen hat die These jetzt überprüft. Mit dem überraschenden Ergebnis, dass sie nicht stimmt.

Für ihre Studie haben die Forscher nicht weniger gemacht, als eine Marsmission zu simulieren. Natürlich hat Salz mit dem Mars nichts zu tun. Aber auf einer Marsmission ist jeder Tropfen Wasser kostbar und die Forscher wollten herausfinden, wie sich Wasser sparen lässt.

In zwei getrennten Studien wurden je zehn männliche Versuchspersonen über einen Zeitraum von entweder 105 oder 205 Tagen in einer Raumschiff-Attrappe eingeschlossen. Alle Teilnehmer hatten absolut identische Speisepläne und ihre Ernährung, Wasser- und Salzaufnahme wurde streng kontrolliert und gemessen. Im Laufe der Wochen veränderte das Forschungsteam dann stufenweise den Salzgehalt in der Nahrung.

Das Experiment zeigte, dass Salz kurzfristig den Durst erhöht. Mehr Salz im Essen führt auch zu einer höheren Salzkonzentration im Harn und einer höheren Gesamtmenge Urin – soweit stimmte alles mit der alten These überein.

Doch die grössere Menge Flüssigkeit stammte nicht aus Getränken. Die Probanden tranken sogar insgesamt weniger, wenn sie mehr Salz zu sich nahmen. Das Salz löste stattdessen in den Nieren einen Wasserspar-Mechanismus aus.

Bisher galt, dass die Natrium- und Chlorid-Ionen, aus denen Salz besteht, an Wassermoleküle binden und diese in den Harn ziehen. Stattdessen zeigten die neuen Ergebnisse, dass das Salz im Harn bleibt, während das Wasser in die Niere und Körper zurücktransportiert wird.

Versuche an Mäusen zeigten dann, dass die Substanz Harnstoff (Urea) die Kraft sein könnte, die das Wasser in den Körper zurücktreibt. Mit Hilfe von Harnstoff entsorgen Muskeln und Leber Stickstoff. In der Niere der Mäuse sammelte sich Harnstoff, dort wirkte es der wasserbindenden Kraft von Natrium und Chlorid entgegen.

Doch die Synthese von Harnstoff kostet viel Energie. Mäuse, denen salzigere Nahrung verabreicht wurde, hatten grösseren Hunger, tranken aber nicht mehr. Auch die menschlichen „Kosmonauten“, die salziges Essen bekamen, klagten über Hunger.

Die neuen Erkenntnisse lassen die Rolle des Harnstoffs in neuem Licht erscheinen. „Harnstoff ist nicht nur ein Abfallprodukt, wie wir bisher angenommen hatten“, sagt Prof. Friedrich C. Luft, von der Charité und dem MDC.

„Stattdessen erweist er sich als ein sehr wichtiger Osmolyt – das ist eine Verbindung, die Wasser an sich bindet und so hilft, es zu transportieren. Harnstoff hält das Wasser im Körper, wenn wir Salz ausscheiden. So wird das Wasser zurückgehalten, das sonst durch das Salz in den Urin hineingetragen würde.“

0 1

Kommentare

Sicherheitscode eingeben:

Weitere News

Ein legendärer Rekordkoch gibt das Zepter ab
22.05.2017

DEUTSCHLAND (Baiersbronn) – Spitzenkoch Harald Wohlfahrt zieht sich als Küchenchef aus der „Schwarzwaldstube“ in Baiersbronn zurück. Der 61-Jährige ist ein Ausnahmetalent, er verteidigte seine drei Sterne ganze 25 Jahre lang – ein deutscher Rekord. Weiterlesen

Kambly feiert 111 Jahre Bretzeli
11.05.2017

SCHWEIZ (Trubschachen) – Bretzeli oder auch Bricelets kennt wohl jeder Schweizer. In Trubschachen im Emmental werden sie von Kambly seit 111 Jahren hergestellt und das Jubiläum ist ein guter Grund, die Gebäckspezialität ausgiebig zu feiern. Weiterlesen

Es ist… ein Schweizer!
05.05.2017

USA (New York) – Der New Yorker Gourmet-Tempel „Eleven Madison Park“ ist Anfang April vom renommierten britischen Magazin „Restaurant“ zum besten Restaurant der Welt 2017 gekürt worden. Und in der Küche steht kein anderer als der gebürtige Schweizer Daniel Humm. Weiterlesen

Meine Favoriten
Nach oben

Jetzt Facebook-Fan werden und keine Story verpassen

Jetzt Facebook-Fan werden

Jetzt den Feinschmecker.com
Newsletter abonnieren

Immer auf dem aktuellen Stand - die besten Rezepte & Storys - das Feinschmecker.com Mailing kostenlos abonnieren.

Datenschutz wird bei uns gross geschrieben - wir geben Ihre Daten niemals weiter. Der Newsletter kann jederzeit gekündigt werden.