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Europol beschlagnahmt 10.000 Tonnen Fake-Lebensmittel

27. April 2017 22:12

BELGIEN (Brüssel) – In einer europaweiten Operation hat Europol fast 10.000 Tonnen gefälschte Lebensmittel im Wert von rund 230 Millionen Euro beschlagnahmt. Darunter waren alltägliche Speisen und Getränke wie Wasser, Wein, Gewürzwürfel oder Olivenöl, aber auch Luxusgüter wie Kaviar.

Von Ruth Preywisch

61 Länder, darunter 21 EU-Mitgliedstaaten, nahmen an der Operation OPSON VI teil, die zum sechsten Mal in Folge durchgeführt wurde. Die von Europol und Interpol koordinierte jährliche Operation wird neben den Partnern des privaten Sektors von Zoll-, Polizei- und nationalen Regulierungsbehörden unterstützt. Seit ihrer ersten Auflage im Jahr 2011 ist die Zahl der Länder, die an OPSON teilnehmen, jedes Jahr gewachsen.

Internationale Behörden auf der Jagd nach Fälschern
Internationale Behörden auf der Jagd nach Fälschern

In jedem Land nahmen die Kontrolleure Geschäfte, Märkte, Flughäfen, Seehäfen und Gewerbegebiete unter die Lupe; insgesamt gab es mehr als 50.000 Kontrollen. Und das Ergebnis rechtfertigt den Aufwand. Beschlagnahmt wurden 9.800 Tonnen gefälschte Lebensmittel, über 26,4 Millionen Liter gepanschte Getränke und insgesamt 13 Millionen Gegenstände im Wert von geschätzten 230 Millionen Euro.

Je nach Land war der Schwerpunkt der Operation unterschiedlich gelagert: Die deutsche OPSON VI-Operation konzentrierte sich auf nicht deklarierte Erdnüsse, Cashewnüsse und Mandeln in Haselnuss-Produkten, die nach Deutschland importiert wurden. Sowohl in Haselnuss-Paste, als auch in gehackten Nussmischungen entdeckten sie massenweise Erd- und Cashewnüsse. Da dies nicht ordentlich deklariert wurde, sind die Produkte für Allergiker lebensgefährlich.

Französische Zollbehörden beschlagnahmten mehr als 179.000 Gewürzwürfel einer bekannten Marke, die laut dem Unternehmen gefälscht waren. Noch ist unklar, wo die Würfel produziert wurden und wie sie in den Handel gelangten. Die portugiesische Lebensmittelsicherheit und Wirtschaftsbehörde (ASAE) untersuchte eine Fischfabrik im Gebiet von Porto, in der Fische ohne Rücksicht auf Sicherheitsvorschriften verarbeitet wurden.

In der Fabrik wurden fast abgelaufene Sardinen in Tomatensauce umverpackt, unabhängig von Rückverfolgbarkeit und hygienischen Regeln. Die Produkte waren für die Ausfuhr und die Intra-EU-Lieferungen bestimmt. Die italienischen Carabinieri NAS hat in Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsministerium mehr als 266.000 Liter Mineralwasser im Bereich Lazio beschlagnahmt.

Die 32.000 Flaschen trugen ein eingetragenes Warenzeichen von Mineralwasser, Etiketten und Formen der Kunststoffbehälter waren den echten Produkten ähnlich. Untersuchungen zeigten, dass das Wasser aus derselben Quelle stammte, es wurde jedoch keine Marktzulassung erteilt.

In der Toskana haben die italienischen Carabinieri eine Bande aufgedeckt, die an der Herstellung und dem Vertrieb von gefälschtem Wein beteiligt ist. Die gepanschten Weine wurden unter falschem Label als berühmte und geschützte Rotweine auf dem italienischen Markt und im Ausland verkauft.

Die dänische Veterinär- und Ernährungsverwaltung hat im Rahmen der Operation zahlreiche Proben von Olivenöl untersucht, die in dänischen Supermärkten verkauft wurden. Die meisten davon enthielten kein natives Olivenöl, sondern nur gemischtes Speise- oder gar Lampenöl. Die meisten Unternehmen haben die Flaschen freiwillig aus den Märkten entfernt. Auch Norwegen und Österreich hatten Olivenöl auf dem Kieker und kamen zu ähnlichen Ergebnissen.

Im März 2017 entdeckte das Amt für Finanz- und Wirtschaftskriminalität des Finanzministeriums in Griechenland zwei illegale Lagerstätten von Alkohol. Die Produkte wurden meistens aus Bulgarien geschmuggelt, es handelt sich zwar nicht um gefälschte, wohl aber um illegale Ware. In Spanien verhaftete die Environmental Crimes Unit der Guardia Civil vier Personen, die in einer Firma arbeiteten, die Muscheln verkaufte. Die Produkte waren für den menschlichen Verzehr ungeeignet, da sie nicht richtig gereinigt und dann auch noch falsch deklariert wurden.

Die Operation zeigt, dass kaum ein Lebensmittelbereich vor Fälschungen und kriminellen Machenschaften sicher ist. Es gehe nicht um Einzelfälle, sondern um gewerbsmässigen Betrug in grossem Stil. „Hier sind kriminelle Banden im Spiel, die sich keine Gedanken um die Konsequenzen machen. Es geht nur um den Gewinn“, sagte Françoise Dorcier, Koordinatorin von Interpols Illicit Goods und Global Health Programm.

Die Behörden begrüssen die europaweite Zusammenarbeit ausdrücklich. Ohne sie könne man den kriminellen Banden kaum Herr werden, denn die agierten international. Und die Verbraucher seien dem fast hilflos ausgeliefert. Dennoch sei es gut, wenn jeder sich der Gefahr bewusst sei. „Jeder muss genau hinsehen, was er kauft und wenn ihm etwas komisch vorkommt, sollte er es stehen lassen“, warnt Chris Vansteenkiste, Leiter der Koalition des geistigen Eigentums von Europol – IPC3.

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