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Madrid für Gourmets – Weinbars und Restaurants

Madrid für Gourmets – Weinbars und Restaurants
Copyright iStockphoto MaximShebeko

Wenn sie von spanischer Restaurantkultur sprechen, meinen viele vor allem jene in Barcelona und San Sebastián. Tatsächlich boomt hier wie dort die Gastronomie. Doch ganz so langweilig, wie Katalanen und Basken manchmal glauben, geht es in Madrid nicht zu. Im Gegenteil: Die Sternerestaurants sind unaufgeregt, die Weinbars locker, und an überraschenden Konzepten fehlt es nicht.

Wein kann ja jeder. Aber wer kann Bier? Wer wagt es, spontan vergorene belgische Spezialitäten zu Speisen zu servieren? Das Atelier Belge natürlich, ein eher bescheiden wirkendes Restaurant in der spanischen Metropole Madrid. Aufgebaut nach dem hierzulande beliebten Prinzip: unten Bar, oben Restaurant. Ein Prinzip, dass den kastilischen Esssitten Rechnung trägt.

Vor der Hauptessenszeit, die selten vor 21 Uhr beginnt, nascht man halt Bier, Schaumwein oder Sherry im schlichteren Teil eines Lokals, begibt sich anschliessend zu Tisch. Doch nur in wenigen Restaurants darf man jeden Gang mit dem ausgesuchten Bier begleiten lassen – und teuer geht es hier ebenfalls nicht zu. Bloss mit den Sprachkenntnissen ist es im belgischen Atelier nicht weit her: Der Kellner spricht beim Testbesuch weder Englisch noch Französisch.

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Tapas oder mehr

Spanische Tapas - Die Klassiker
Spanische Tapas – Die Klassiker

Aber irgendwie kann man sich ja immer verständigen – zumal es in manchen Madrider Gourmetrestaurants nur ein einziges Menü gibt.

Im Ein-Sterne-Restaurant Lúa zum Beispiel, wo das Hauptlokal im Souterrain liegt und man sich im Erdgeschoss zum Aperitif einfindet.

Dass hier Champagner hochgehalten wird, ist kein Zufall, dass die Preise den an deutsche oder Schweizer Margen gewohnten Gast besonders erfreuen, auch nicht.

Tatsächlich findet man vielerorts in Madrid nicht nur französische Schaumweine, sondern auch Cava, glas- und flaschenweise, doch so omnipräsent wie in Barcelona ist der iberische Apéro dann doch nicht.

Dafür vernachlässigen die Madrilenen nie die Erzeugnisse Andalusiens. Sherry trinken sie gern in der Taberna Sanlúcar – am liebsten knackig-frischen Fino, um den Appetit anzuheizen.

Passt übrigens auch zu vielen Käsesorten: Die besten spanischen Milchprodukte und die passenden Weine werden bei Poncelet serviert, einer Käse- und Weinbar, die gleich ums Eck des Atelier Belge liegt und zeigt, dass Tapasläden und Restaurants nicht immer rustikal und altmodisch daherkommen müssen. Dürfen sie aber schon.

El Tempranillo, wo keineswegs nur Rotwein aus namensgebender Traube in die Gläser fliesst, ist eher traditionell eingerichtet, das Restaurante Sacha im Norden der Stadt ist es erst recht. Authentischer geht es in Madrid kaum, wenn man Tortilla, Seehecht, eine Wurst namens Butifarra und all die anderen Klassiker der kastilischen Küche verzehren will.

Die Entfernungen, die zwischen den verschiedenen Stadtteilen Madrids zu überwinden sind, sollten niemanden schrecken: U-Bahnen bringen einen rasch von hier nach dort.

Musse für Sterne

Zeit einplanen sollte man eher dann, wenn man in den angesagtesten Lokalen der Stadt schlemmen möchte. Für die Wochenenden muss man lange reservieren, kann dann aber bei Sergi Arola nicht nur eine grandios kreative Küche, sondern auch eine der besten Weinkarten der Stadt erleben: Naturweine stehen hier ganz oben auf der Agenda.

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Im DiverXO wiederum, dem einzigen Drei-Sterne-Tempel Madrids, ähnelt das Essen eher einem halbverrückten Schauspiel, in das die Gäste eingebunden werden: Reservieren kann man nicht einfach so, muss vielmehr rechtzeitig ein Ticket kaufen und sollte dann ja nicht auf die Idee kommen, einfach fernzubleiben; der Eintrittspreis wäre verloren.

Sollte es im DiverXo auch mit bestem Willen keinen Platz mehr geben, bliebe immer noch die Visite im StreetXo, dem kleinen Bruder des Nobeletablissements.

Das gastronomische Erfolgsrezept besteht aus einer Theke um die Küche herum, allerlei unkomplizierten, wild angerichteten Kleinigkeiten und spannenden offenen Weinen. Reservierungen werden nicht akzeptiert, weshalb man tunlichst früh kommen und mindestens eine halbe Stunde – beim Besuch des Autors dieses Artikels sogar mehr als die doppelte Zeit – in der Schlange vor dem Eingang einkalkulieren sollte. Ganz Kluge nehmen sich für die Wartezeit eine Flasche Champagner mit oder lassen sich aus einer benachbarten Bar Aperitifs reichen.

Genuss darf in Madrid eben gern ganz locker sein.

Die zehn spannendsten Weinbars und Restaurants in Madrid

Kreative Ein-Sterne-Küche: Lúa

Käse-Wein-Bar: Poncelet Cheese Bar

Drei-Sterne-Restaurant mit Vorverkauf: DiverXo

Sherry und andere Kleinigkeiten: La Taberna Sanlúcar

Es darf auch mal Bier sein: Atelier Belge

Keine Reservierungsmöglichkeit: StreetXo

Wein- und Speisenbar: Taberna Matritum

Rotwein und Tapas: El Tempranillo

Tradition seit über 40 Jahren: Restaurante Sacha

Zwei Sterne und viele Naturweine: Sergi Arola

Über den Autor

Wolfgang Fassbender ist seit 25 Jahren als freier Journalist in den Bereichen Wein und Gastronomie tätig. Der gebürtige Leverkusener hat mehr als 80 Bücher geschrieben oder herausgegeben, arbeitet für viele Zeitschriften und mehrere Zeitungen, testet sich als Restaurantkritiker durch die Welt.

Er pendelt zwischen seinen Wohnsitzen im Rheinland und Zürich.

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