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Grillen – mit Kohle, Gas oder Elektrogrill?

Grillen – mit Kohle, Gas oder Elektrogrill?
Copyright iStockphoto ©eyecrave

Es ist das Streitthema Nummer eins: Womit grillt der „echte“ Grillprofi? Diese Frage ist nur schwer zu beantworten, denn tatsächlich hat jede Methode ihre Vor- und Nachteile.

Wer ehrlich zu sich selbst ist und den verschiedenen Möglichkeiten offen begegnet, entdeckt vielleicht einen ganz anderen Griller in sich.

Fast überall möglich: Das Grillen mit Kohle

Es geht nichts über das Grillen mit Kohle“ ist das Credo vieler Grill-Enthusiasten. Und tatsächlich hat das Grillen mit Holzkohle oder Briketts im deutschsprachigen Raum immer noch die Nase vorn.

Das Feuer, die Funken, der Rauch und die knisternden Geräusche wecken offensichtlich Urinstinkte bei den Grillern. Holzkohlegrills gibt es bereits für kleines Geld und sind häufig sehr kompakt – sie ermöglichen somit ein Grillen an fast jedem Ort.

Beim Anzünden der Kohle gibt es viele Möglichkeiten und der Handel scheint für jeden die passende bereit zu halten. Egal wofür sich der Griller auch entscheidet: Finger weg von Benzin oder flüssigem Spiritus.

Die meisten Deutschen bevorzugen den Kohlegrill
Die meisten Deutschen bevorzugen den Kohlegrill

Abgesehen davon, dass es ein unangenehmes Aroma auf das Grillgut abgibt, kann diese Anzündmethode lebensgefährlich sein. Profis vertrauen inzwischen auf Anzündkamine. Diese zylinderförmigen Metallgefässe bieten Platz für eine Ladung Grillkohle.

Luftlöcher von unten gewährleisten eine ausreichende Luftzufuhr und erzielen einen Kamineffekt, wodurch die Kohle im Inneren schnell zu glühen beginnt.

Zum Anzünden des Kamins eignen sich etwa Anzündwürfel aus Holzspänen, die einfach unter den Kamin gelegt werden. Sobald die Kohle komplett durchglüht, kann man den Inhalt in den Grill schütten und sofort loslegen.

Doch egal für welche Anzündmethode sich der Griller entschieden hat, Geduld ist beim Grillen mit Kohle ein wichtiger Faktor. Grundsätzlich gilt: Je fester die Kohle, desto mehr Zeit benötigt man für das Anzünden und die richtige Glut.

Während Holzkohle relativ schnell angezündet ist, kann es bei Briketts bis zu 30 Minuten dauern, bis sie mit einer grauen Ascheschicht überzogen sind und eine starke Hitze abstrahlen. Denn erst dann ist die Zeit gekommen, das Grillgut auf den Rost zu legen.

Flammen dürfen dann nicht mehr aufschlagen. Bis es so weit ist, entsteht in der Regel eine Menge Rauch. Das Grillen mit Kohle hat schon bei so manchem Griller zu Streit mit den Nachbarn geführt.

Für Griller mit Gefühl: So lässt es sich mit Kohle grillen

Kohlegrills unterscheiden sich im Wesentlichen dadurch von Gasgrills, dass sich ihre Temperatur schwieriger regeln lässt. Um die Hitze beim Grillen mit Kohle zu regulieren, spielt die Menge der Kohle, deren Verteilung im Grill und die Luftzufuhr eine wichtige Rolle. Schliesslich lässt sich noch die Höhe des Rostes verschieben, um das Grillgut vor allzu grosser Hitze oder sogar dem Verbrennen zu verschonen.

Gute Kohlegrills erlauben eine Regulierung der Luftzufuhr. Je mehr Luft an die Kohle kommt, desto heisser brennt sie. Grills mit Deckel erzielen in der Regel ein gleichmässiges Temperaturniveau, so dass der Griller weniger mit seinen Möglichkeiten jonglieren muss. Trotz allem gilt: Wer mit Kohle grillt, braucht Gefühl am Rost.

Gefühl ist auch beim Platzieren des Grillguts gefragt. Liegt das saftige Steak direkt über der Glut, verflüssigt sich das Fett und tropft hinunter. Stichflammen sind die Folge, wodurch das Fleisch schnell verbrennt und gesundheitsschädigende Stoffe entstehen.

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Wer hier auf Nummer sicher gehen möchte, legt eine mit Wasser gefüllte Aluschale zwischen Rost und Fleisch – doch wo bleibt da das typische Grill-Feeling? Ratsamer sind bei Grills mit Deckel mehrere „Hitzezonen“.

Wer etwa links viele Kohlen und rechts nur wenige platziert, kann sein Steak zunächst scharf angrillen (direktes Grillen) und dann bei geschlossenem Deckel auf der anderen Seite langsam zu Ende ziehen lassen (indirektes Grillen). Doch gerade der Rauch, der durch das herabtropfende Fett entsteht, gilt bei den Kohlegrillern als wichtigstes Kriterium für den typischen Grillgeschmack. Doch dazu später mehr.

Mit Gas grillen ist einfacher, aber doch irgendwie aufwendiger

In der Tat verspricht das Grillen mit Gas ein einfacheres Handling, allein schon was den Anzündprozess angeht: Gasflasche aufdrehen, Regler des Grills auf Maximum, Zündung, fertig. Nach wenigen Minuten hat der Grillrost die notwendige Temperatur und ist bereit für das Grillgut.

Kein Rauch, keine fliegenden Funken, keine schimpfenden Nachbarn. In den USA ist das Grillen mit Gas deshalb sehr beliebt. Rund 30 Prozent aller Griller arbeiten über dem grossen Teich mit Flüssiggas – meist Propangas oder Buthan.

Grillen mit Gas verspricht ein einfaches Handling ohne viel Rauch
Grillen mit Gas verspricht ein einfaches Handling ohne viel Rauch

Darüber hinaus ist auch das Grillen selbst wesentlich komfortabler als mit Kohle. Über die Regler des Gasgrills kann man nahezu exakt die Temperatur einstellen, die das Grillgut benötigt.

Wird es zu heiss, reduziert man einfach die Gaszufuhr und das Problem ist erledigt. Auch herabtropfendes Fett wissen gute Gasgrills mit Hilfe einer Flammabdeckung zu verhindern.

Soweit so gut, doch Einschränkungen gibt es auch hier. Puristen vermissen den „typisch holzigen Grillgeschmack“, den das Grillen mit Kohle verspricht.

Tatsächlich schmecken insbesondere lang gegrillte Fleischstücke wie beispielsweise Spare Ribs oder grosse Braten leicht anders, wenn sie eine gewisse Portion Rauch abbekommen haben.

Profis nutzen hier folgenden Trick: Sie packen ein paar gewässerte Holzchips in Alufolie, stechen darin ein paar Löcher und legen das Päckchen mit auf den Grill. Zugegeben ist dies jedoch nur ein schwacher Kompromiss im Vergleich zum Grillen mit Kohle.

Darüber hinaus ist ein Gasgrill wesentlich unflexibler, was das Grillen am See oder sonst wo in freier Natur angeht – die Gasflasche muss immer mit und damit rund 11 Kilogramm Gewicht. Hinzu kommt, dass Gasgrills komplexer verarbeitet sind als Kohlegrills. Höhere Kosten bei der Anschaffung sind die Folge. Während Holzkohlegrills von der Tankstelle schon ab rund 20 Euro zu haben sind, beginnen gute Gasgrills bei über 100 Euro und können gut und gerne bis zu mehreren Tausend Euro kosten.

Wichtig beim Kauf eines Gasgrills sind die CE-Kennzeichnung und die Nummer 0085. Wenn die Bedienungsanleitung anschaulich und verständlich erklärt ist, ist das ebenfalls ein gutes Zeichen. Achtung: Bei Importgeräten aus den USA passen die hiesigen Gasflaschen nicht an das Gerät und zusätzliche Adaptersets werden benötigt.

Allheilbringer Elektrogrill? Kommen wir zum Punkt

Um es kurz zu machen: Nein. Natürlich versprechen Elektrogrills ein „vergleichbares“ und wesentlich einfacheres Grillen. Man muss sich keine Gedanken über Rauch, Nachbarn oder die passende Gasflasche machen – einfach in die Steckdose stecken und es kann losgehen.

Der Elektrogrill ist die Variante für alle, die es vor allem einfach mögen
Der Elektrogrill ist die Variante für alle, die es vor allem einfach mögen

Womit wir zum eigentlichen Manko kommen. Nicht immer ist eine Steckdose in der Nähe und das Hantieren mit Verlängerungskabeln ist in Verbindung mit einem Grillerlebnis doch eher unpassend.

Hinzu kommt ein Aspekt, der insbesondere beim Grillen über einen längeren Zeitraum wichtig ist: Elektrogrills können trotz Thermostat bei der Temperatur schwanken, während es insbesondere bei Gasgrills leicht fällt, eine feste Temperatur auch über mehrere Stunden zu halten (etwa für grössere Braten). Und schliesslich ist es auch hier das fehlende Raucharoma, was man beim Elektrogrill selbst nicht über eine Alternativlösung hergestellt bekommt.

Die Diskussion über den „richtigen Grill“ wird wohl niemals beendet werden. Muss sie ja auch nicht. Jede Grillart hat ihre Daseinsberechtigung, ihre Fans und Kritiker. Das macht das Thema Grillen doch gerade so interessant.

Die Puristen schwören auf den Kohlegrill und nehmen dafür ein aufwändiges Anzünden, Rauch und Funken in Kauf. Der Gasgriller schätzt das Saubere und Unkomplizierte – ihm sind die Urinstinkte egal und er muss auch bei der Vielzahl an Grillmöglichkeiten keine grösseren Einschnitte in Kauf nehmen. Dafür greift er tiefer in die Tasche bei der Anschaffung.

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Ganz simpel schätzt es der Elektrogriller, der mal eben schnell ein paar Würstchen auf den Rost schmeissen will. Grosse kulinarische Meisterwerke hat er ohnehin nicht geplant. Die Hauptsache ist doch eines: schmecken soll es. Und da macht es laut diversen Blindverkostungen keinen Unterschied, ob das Grillgut vom Kohle-, Gas- oder Elektrogrill stammt. Na dann, frohes Grillen – womit auch immer.

Über den Autor

Björn Zimmer ist eigentlich PR-Manager eines Hotelportals. Mehr durch Zufall kam er dazu, seine Leidenschaft für gutes Essen und Trinken in einem Blog in Worte zu fassen.

Während eines 18 stündigen Grillens von „Pulled Pork“ verfassten er und sein Freund René ihre Gedanken in Worte – und treiben seitdem den eigenen Grill-Blog Grillkameraden.de voran.

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