zurück

Die zauberhafte Welt der Mimi Thorisson

Die zauberhafte Welt der Mimi Thorisson
Copyright Oddur Thorisson / Manger by Mimi Thorisson

Was ist das Resultat der Symbiose einer französisch-chinesischen Journalistin und eines isländischen Fotografen? Ein professioneller Food-Blog mit Bildern, die zum Träumen anregen, Lust aufs Aussteigen machen und uns das Wasser im Munde zusammenlaufen lassen.

Von Sophia Spillmann

Marie France Thorisson, genannt Mimi, wuchs mit ihrer Familie, der Vater ein chinesischer Arzt, die Mutter französische Krankenschwester, in Hongkong auf. Im Sommer jedoch besuchte sie ihre Verwandten in Toulouse, Frankreich und kochte französische Hausmannskost mit Tante und Grossmutter. Die kulinarische Reise zwischen Dim Sum und Cassoulet und die Kulturen, die nicht unterschiedlicher sein könnten, resultierten in einer grossen Passion für gute Küche.

Kraftvolle Rote aus dem Bordeaux jetzt auf Weinclub.com kaufen!

Mal eben im Kleinen Schwarzen eine Feigen-Pistazien Tarte backen?
Mal eben im kleinen Schwarzen eine Feigen-Pistazien Tarte backen?

Thorisson war beruflich erfolgreich, arbeitete als Journalistin für CNN und stand auch vor der Kamera, als sie, damals 32 Jahre alt, bei einem Event in Paris ihren künftigen Mann Oddur Thorisson kennenlernte. Es muss Liebe auf den ersten Blick gewesen sein, denn bereits zwei Tage nach dem Kennenlernen reiste das Paar gemeinsam nach Island, Oddurs Heimat.

Beide hatten bereits Kinder von anderen Partnern, doch die zu diesem Zeitpunkt fünfköpfige Familie Thorisson sollte in den nächsten zehn Jahren noch um fünf weitere Kinder und eine ganze Meute von Hunden anwachsen. Ursprünglich wählte die Patchworkfamilie Paris als Lebensmittelpunkt, doch mit einer reichen Kinderschar und noch mehr Vierbeinern gestaltete sich das Leben in der französischen Hauptstadt zunehmend beengt.

Bald kam der Gedanke ans Aussteigen auf, zumindest aber eine ländliche Pause vom hektischen Leben in der Grossstadt. Durch Zufall fand sich schliesslich 2010 ein altes Landhaus in Médoc, das genau die richtige Grösse hatte. Der einsame Landstrich zwischen Atlantikküste und ausgedehnten Pinienwäldern offenbarte schnell einen enormen kulinarischen Reiz; die ausschweifenden Mahlzeiten mit frischen Zutaten vom Markt wurden von Mimi im Blog festgehalten und vom professionellen Fotografen Oddur in wunderbaren Fotos verewigt.

Ausstieg in ein neues Leben

Foodblogs gibt es unzählige, nur wenige sind erfolgreich. Manger von Mimi Thorisson gehört, trotz sehr sporadischer Posts, zu diesem erlauchten Zirkel. Das Geheimnis des Erfolgs? Die wirklich feinen Rezepte sind eingebettet in schön zu lesende Erzählungen aus dem Leben der Grossfamilie in Médoc und garniert mit nostalgisch anmutenden, beinahe poetischen Bildern.

Ich bin nicht sicher, ob Mimi Thorisson eine reale Person ist, oder eine Fiktion. Sie ist schön, hat sechs schöne Kinder, einen Mann und zwei Stiefkinder, die ebenfalls schön sind. Ich hasse sie ein bisschen, aber gleichzeitig will ich ihr Leben.“ Diese Worte einer Leserin von Manger könnten besser nicht ausdrücken, was einem durch den Kopf geht, wenn man sich den Blog zu Gemüte führt.

Die Thorissons bewohnen nicht etwa ein Haus, sondern ein Château – und jede Ecke des historischen Gebäudes, jeder Winkel des verwunschenen Gartens scheint wie gemacht für die nächste Foto-Op. Mimi und Oddur sind das ruhige Zentrum eines wahren Gewusels aus Hunden und Kindern, die tatsächlich alle – Sie haben es geahnt – schön sind.

Und so projiziert Madame Thorisson unsere Wünsche und Sehnsüchte nach einer besseren Version unserer selbst. Einem einfachen, ländlichen Leben, das scheinbar dennoch mit französischem Chic vereinbar ist, acht Kindern, die geduldig warten, während ihre Mutter im kleinen Schwarzen vollkommend entspannt 3-Gänge-Menus zubereitet und einer Horde von Terriern, die bisher noch nicht die rustikal-elegante Inneneinrichtung des Châteaus zerstört haben.

Die Familienplanung der Thorissons ist mittlerweile abgeschlossen und neue Abenteuer stehen am Horizont. Seit zwei Jahren betreibt Mimi im Château ein Pop-Up Restaurant. Auch eine neue Webseite ist in Planung, in Bälde zu finden unter www.rueloudenne.com.

Und während jeder Fan von Mimi sich wohl etwas regelmässigere Einträge wünschen würde, hoffen wir insgeheim, dass Rueloudenne weiterhin eher mit sporadischen Posts glänzen wird, dass Mimis Fernseh-Präsenz in ihrer Show La Table de Mimi sich auf ein Minimum beschränkt und dass der wunderbare Charme, der den Thorissons trotz ihres Erfolgs anhaftet, erhalten bleibt.

Manchmal verkommen die Rezepte auf Manger fast zur Nebensächlichkeit, dabei haben sie durchaus eine Hauptrolle verdient. Mimis Rezepte sind oft zeitlose Klassiker, weder gluten- noch laktosefrei, dafür stets grosszügig mit Butter zubereitet. Eine wohltuende Abwechslung von all den „gesunden“ Bloggern und Gerichte, die der Seele einfach guttun. Genauso übrigens wie Mimis Blog, der eine wunderbare Eskapade aus dem Alltag darstellt.

Für Weissweinfans: Jetzt weisse Burgunder im Shop auf Weinclub.com!

Mimis wichtigster Verdienst aber liegt möglicherweise darin, die Reize ihrer Wahlheimat einem internationalen Publikum nahezubringen. Das ländliche Bordeaux ist teils sehr verlassen mit einer stetig sinkenden Geburtenrate. Mimis Blog aber zieht zunehmend Touristen in die Region, die dringend benötigtes Kleingeld in die Kassen spülen – und helfen, dieses kleine Stück Paradies zu erhalten.

0 0

Kommentare

Sicherheitscode eingeben:

Meine Favoriten
Nach oben

Jetzt Facebook-Fan werden und keine Story verpassen

Jetzt Facebook-Fan werden

Jetzt den Feinschmecker.com
Newsletter abonnieren

Immer auf dem aktuellen Stand - die besten Rezepte & Storys - das Feinschmecker.com Mailing kostenlos abonnieren.

Datenschutz wird bei uns gross geschrieben - wir geben Ihre Daten niemals weiter. Der Newsletter kann jederzeit gekündigt werden.