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Münchner Salonlöwinnen – Kulinarik ohne Kerle

Münchner Salonlöwinnen – Kulinarik ohne Kerle
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Jeder kennt diese natürlichen Veränderungen zwischen 30 und 40 Jahren. In einer Dekade, in der sich Frauen für Kinder und/oder Karriere entscheiden sollten. Beide Entscheidungen führen jedoch meist dazu, dass sich ihr gewohntes Umfeld verändert, Freundschaften schwinden. Auch Jasmin Leheta machte diese Erfahrung. Doch anstatt allein zu Hause Trübsal zu blasen, gründete sie den Münchner Kochsalon – in dem sie seit über zehn Jahren mit ihr anfänglich fremden Frauen kocht.

Die Küche in ihrer Schwabinger Altbauwohnung entpuppt sich als charmantes Sammelsurium aus nostalgischen Holzschränken, Regalen, auf denen Kochutensilien thronen, einem leuchtend roten Kühlschrank und vielen adretten Details, die ganz klar zeigen: Hier wird gekocht – und das mit viel Liebe.

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„Meine Küche ist gerade einmal zehn Quadratmeter gross, doch beherbergt sie alles, was man zum abwechslungsreichen Kochen braucht. Und das für 20 Personen. Eine reine Frage der Logistik“, meint Jasmin Leheta mit einem stolzen Kopfnicken. Denn wenn es um Logistik, Planung und Organisation geht, ist die gebürtige Münchnerin ein wahres Genie. Anders wäre ihr facettenreiches Dasein auch gar nicht möglich.

Zwischen Kleiderschränken und Kochtöpfen

An zwei Tagen in der Woche verköstigt die gelernte Köchin die Mitarbeiter einer Werbeagentur. „Da gibt es immer ein Gericht mit vielen Kleinigkeiten drum herum. Hauptsache frisch und saisonal.“ An den anderen Tagen arbeitet Sie als Styling- und Shopping-Coach oder schreibt Bücher – und das sehr erfolgreich.

Doch an jedem zweiten Mittwoch tritt all dies in den Hintergrund. Denn dann gehört ihre Wohnung den Salon-Löwinnen. Frauen, die bereit sind für ein Abenteuer. Bereit dafür, ihre Gaumen mit neuen kulinarischen Genüssen in Schwingung zu versetzten und sich auf das Geschehen des Abends und neue Menschen, und vielleicht sogar neue Freundschaften, einzulassen.

„Entertainment-Konsumentinnen, die nur unterhalten werden wollen, sind hier fehl am Platz“, sagt die Gründerin des kulinarischen Frauen-Kochsalons vehement. „Diese besuchen den Salon ganz selten und dann auch meist nur einmal.“ Die meisten jedoch kommen nach dem ersten Mal immer wieder. Denn die intime, private Atmosphäre, das gemeinsame Zubereiten des Essens und die spannenden Begegnungen mit unterschiedlichen, interessanten Frauen hinterlassen bei allen einen bleibenden Eindruck.

„Die Frauen, die den Salon besuchen, verbindet vieles. Oft haben sie ihre Kinder schon gross gezogen, stehen mitten im Leben und im Beruf, haben im Ausland gelebt und sind sehr oft selbständig“, fasst die 53-Jährige ihre Begegnungen lebhaft sprudelnd zusammen.

„Diese Frauen sind keine fremdbestimmten Mäuschen, sondern Menschen, die wirklich etwas vom Leben wollen – und sich in die Höhle des Löwens wagen“, lacht sich mit einem koketten Augenzwinkern auf. Denn wer die sympathische Halb-Ägypterin erst einmal kennengelernt hat, wird schnell von ihrer offenen, fröhlichen und durchweg positiven Art angesteckt.

Eine köstliche Idee hat Erfolg

Mediterran und saisonal - so wird bei den Salonlöwinnen gekocht
Mediterran und saisonal – so wird bei den Salonlöwinnen gekocht

Diese positive Kraft gab auch den Anstoss für das regelmässige genussvolle Gipfeltreffen.

„Ich hatte eine Lebensphase, in der ich, anstatt selber zu kochen und Gäste einzuladen, nur noch gearbeitet und in schlechten Restaurants gegessen habe. Meinen Freundinnen erging es ähnlich. Sie arbeiteten viel, bauten Unternehmen auf und bekamen Kinder. Ich wurde immer einsamer und unglücklicher. Aber dieses unerquickliche Dasein konnte doch nicht der Sinn der Sache sein“, stellt sie die längst beantwortete Frage in den Raum.

Nein. Konnte es nicht. Die Idee für den kulinarischen Frauen-Salon war geboren … und verbreitete sich unter den kochbegeisterten Anhängerinnen wie ein Lauffeuer. Warum im Salon nur Frauen zugelassen sind, erklärt sich ganz einfach. „Weil Frauen untereinander einfach offener sind und sich mehr zeigen.“

So gibt es alle zwei Wochen – neben viel Gesprächsstoff und spannenden Kontakten – ein gemeinsam zubereitetes Dreigangmenü. Die Zutaten dafür besorgt die Chefin der Salon-Löwinnen höchstpersönlich.

Die Unkosten werden von allen Teilnehmerinnen zusammen getragen. Was gekocht wird, bestimmt Jasmin Leheta – die Rezepte bekommen die Köchinnen hinterher mit nach Hause. „Viele integrieren diese kulinarischen Entdeckungen dann in ihrem Alltag.“ Denn es wird viel Neues ausprobiert.

„Die Küche des Salons ist sehr saisonal geprägt … und mediterran. Damit meine ich aber auch alles, was wirklich ums Mittelmeer liegt.“ Dank ihrer arabischen Wurzeln, holt sie auch hin und wieder orientalische Anekdoten auf den Speiseplan. „Vor allem achte ich darauf, dass die Rezepte schnell umsetzbar sind – wir wollen ja auch noch in Ruhe zusammen essen – und nicht aus Zutaten bestehen, die erst einen enormen Einkauf verlangen.“

Der Zauber der italienischen Küche

Ihre Liebe zur guten Küche entdeckte die passionierte Köchin in ihrer Kindheit in Italien. „Ich wohnte als Mädchen mit meiner Mutter einige Jahre auf dem Land in der Nähe von Rom“, erzählt Jasmin Leheta. Die Erinnerung an diese Zeit zaubert ihr ein weiches Lächeln aufs Gesicht und vertreibt für einen kurzen Moment das Rasante aus ihrer Gestik.

Dort versammelten sich jeden Sonntag die Nachbarinnen zu einem regen Austausch – bei dem natürlich auch fleissig gekocht, eingeweckt oder vorbereitet wurde. „Es wurden Unmengen an Essen produziert – und ich war Teil des ganzen Zaubers. Ich habe Oliven geerntet, Wein gepresst, original italienische Sugo gekocht und gelernt, diese riesigen Mengen Olivenöl zu verwenden“, grinst sie mit einer weit ausholenden Geste.

Wer ihren Salon betritt, muss jedoch nicht perfekt kochen können. Nur bereit sein, in diese Oase aus Gerüchen, Aromen und Gesprächen einzutauchen. „Es passiert jedes Mal viel Spannendes, wenn so unterschiedliche Frauen aufeinandertreffen“, sagt sie begeistert. Ein Teil ihrer Erlebnisse hat das quirlige Multitalent in dem Roman „Quatschen mit Soße“ verarbeitet. Ein Buch, das Lust und Mut macht – und ein gelungenes Amuse Bouche für einen Besuch um Kochsalon ist.

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Welche prominenten Frauen sie gern mal im Salon zu Gast hätte? Kurz überlegt sie. „Lotti Huber (Anm. d. Red. Deutsche Schauspielerin und Sängerin). Leider ist sie schon gestorben, aber wir waren befreundet und sie konnte immer so tolle Geschichten erzählen. Angela Merkel, die braucht unbedingt meine Hilfe als Styling-Coach“, lacht sie glucksend auf und rückt ihre markante Brille zurecht.

„Mit ihrem Pokerface ist sie bestimmt eine Frau, von der man Überraschendes erfährt. Und unbedingt Sophia Loren. In ihrem Kochbuch schreibt sie über die Dinge, die ich in meiner Kindheit erlebt habe. Da ist in jedem Fall Gesprächsstoff da.“ Dann hält sie einen Moment inne. „Aber im Grunde sind mir meinen Salon-Löwinnen wie sie sind am liebsten. Frauen, die was zu sagen und viel zu geben haben. Das ist wahnsinnig spannend.“

Eine von diesen spannenden Frauen ist in jedem Fall Jasmin Leheta. Eine Frau, die anderen Mut macht. Genussvoll, voller Power – und mit viel Herz.

Weitere Informationen unter:
www.alles-ueber-jasmin.de

Über die Autorin

Es gibt sie ganz selten. Doch Anja Hanke hat das grosse Glück zu ihnen zu gehören: Den Menschen, die ihr Hobby zum Beruf machen konnten.

Sie liebt gutes Essen, handgefertigte Weine, erlesene Produkte und diese Verbindung an den verschiedensten Orten dieser Welt einzufangen – und für ihre Leser genussvoll aufzubereiten.

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