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Der Cognac – die Suche nach einem neuen Image

Der Cognac – die Suche nach einem neuen Image
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Gebrannter Wein aus dem Südwesten Frankreichs wirkt wie aus der Zeit gefallen. Und wären nicht die Chinesen und die Russen, die sich auf alte Cognacs aus der Charente stürzten, käme die Branche ins Schwitzen. Wie aber lässt sich ein so traditionsreiches Produkt neu erfinden? Ein paar Brennereien haben es versucht, andere verharren in Bewährtem. Gründe, sich dringend mal wieder mit der berühmtesten Spirituose der Welt zu beschäftigen.

Wer auf alte Fässer steht, ist in Cognac richtig. Genauer gesagt in den Lagerhallen außerhalb des Stadtzentrums. Ob Rémy-Martin oder Hennessy, ob Camus oder Martell. Die Firmen haben gewaltige Anlagen errichtet, haben streng feuergeschützte Abteilungen eingerichtet, unzählige Fässer in Lagersysteme eingepasst. Die allerersten sind besonders gesichert, und der Marketingmensch von Hennessy setzt eine besonders wichtige Miene auf, als er die dicken Türen aufschließt.

Tonneaux mit Kostbarkeiten vom Anfang des letzten Jahrhunderts oder Korbflaschen, die nochmals historischer sind. In Letztere werden die Brände umgefüllt, wenn sie genügend Aromen aus dem Holz aufgenommen haben – was nach ein paar Jahrzehnten oder erst nach 100 und mehr Jahren passieren kann.

MARKETING UND STILWANDEL

Die allerältesten Cognacs, kunstvoll zusammengemischt oder als streng kontrollierter Jahrgangsbrand abgefüllt, haben ihre Preise – und ihre Liebhaber. Die offiziell organisierten Versteigerungen sind gut besucht, potente Kunden aus dem Fernen Osten oder aus Russland sorgen für Nachfrage vor allem im High-End-Bereich, also bei den XO- und Extra-Cognacs, den kostbaren Bränden in den an Parfüm erinnernden Flacons.

Doch wenn man die reichen Sammler und die chinesischen Prestige-Trinker abzöge, würden sich die Probleme der Region kaum mehr verbergen lassen: Cognac ist nämlich nicht mehr wirklich im Trend. Vor dem Essen trinken auch die Engländer eher weichere Drinks, danach verzichten auch die Franzosen öfter als früher auf den einst üblichen Digestif oder lassen sich nur zwei statt vier Zentilitern einschenken. Was sich auf die Umsätze der Produzenten auswirkt.

FAMILIENBETRIEBE UND NOSTALGIE

Doch was soll man tun, um ein – von Ausnahmen abgesehen – aus der Mode gekommenes Getränk wieder in Selbige zu bringen? Manche Erzeuger versuchen es mit schicken Cognac-Botschaftern und Cocktail-Rezepten. Bei A.E Dor setzt man auf nostalgisch anmutende Flaschen. Und auf Château de Montifaud bekommt man als Aperitif keinen Cognac, sondern ein Getränk, das zur Chance werden könnte: den Pineau des Charentes. Die Assemblage aus Traubensaft und Branntwein, mäßig alkoholhaltig und süffig süß, bietet Potenzial – wenn man sie ein paar Jahre im Fass lagert und nicht auf die billigsten Ingredienzien zurückgreift.

Montifaud, ein solides mittelständisches Unternehmen, hat seine Stammkunden, pflegt direkte Beziehungen und ist für sein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis bekannt. Inhaber Michel Vallet hat ein paar Kniffe aus der guten alten Zeit drauf (die Hefe wird mitgebrannt), um seinen Destillaten Komplexität zu vermitteln; die Gattin wiederum kocht, wie man nun mal kocht in der Charente: üppig, mit Foie gras und Saucen auf Cognac- oder Pineau-Basis.

IMAGEWECHSEL

Ein richtig modernes Image haben sich aber erst wenige Brennereien gegeben. Lépold Gourmel natürlich, ganz vorn. Die überschaubar große Brennerei investierte schon vor Jahren ins Marketing, in elegante Flaschen und Cognac-Bezeichnungen jenseits der abgegrasten Traditionswiesen. Gourmels Brand namens Age des Fruits ist seiner prägnanten Frucht wegen berühmt geworden und wird auch von Menschen getrunken, die sonst weite Bögen um Cognac machen. Doch um diese dauerhaft mit Charente-Bränden zu begeistern, müssten noch mehr einige innovative Konzepte mehr entwickelt werden.

Adressen

Léopold Gourmel, www.leopold-gourmel.com

Château de Montifaud, www.chateau-montifaud.com

A.E. Dor, www.aedor.fr

Château Ferrand, www.cognacferrand.com

Cognac Pinard, www.guy-pinard.com

Altersangaben beim Cognac

  • VS – wenigstens zwei Jahre Fasslagerung
  • VSOP – wenigstens vier Jahr im Fass
  • Réserve – eher selten verwendet, ebenfalls wenigstens vier Jahre alt
  • Napoléon – mindestens sechs Jahre, aber oft deutlich älter
  • XO – derzeit noch sechs Jahre Mindestlagerung, ab 2016 dann zehn Jahre Mindestlagerzeit, de facto deutlich älter
  • Jahrgangscognac – rare Kostbarkeit, streng kontrolliert

Über den Autor

Wolfgang Fassbender ist seit 25 Jahren als freier Journalist in den Bereichen Wein und Gastronomie tätig. Der gebürtige Leverkusener hat mehr als 80 Bücher geschrieben oder herausgegeben, arbeitet für viele Zeitschriften und mehrere Zeitungen, testet sich als Restaurantkritiker durch die Welt.

Er pendelt zwischen seinen Wohnsitzen im Rheinland und Zürich.

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