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Andi Schweiger – Kochen auf der Überholspur

Andi Schweiger – Kochen auf der Überholspur
Copyright Jelena Moro

Arbeitstier, Perfektionist, Getriebener, Rocker – all das trifft auf Andreas Schweiger zu. Da wundert es nicht, dass sich der Münchner Sternekoch nicht in irgendwelche Schubladen pressen lässt. Er geht seinen eigenen Weg – und das am liebsten mit Bleifuss auf dem Gaspedal.

Ein sanftes Lächeln streift über sein Gesicht, während er den Klängen aus dem Lautsprecher lauscht. Doch die Musik ist so gar nicht sanft. Feinster Heavy Metal ertönt aus dem Hintergrund. „Mein Rhythmus“, meint Andi Schweiger mit im Takt wippenden Kopfnicken. „und das seit dem ich 13 alt war.“

Tattoos, Totenköpfe, dunkle Farben und Heavy Metal – der 37-Jährige erfüllt so manches Klischee eines „bösen Buben“. Klischees, die so gar nicht zur Haute Cuisine, der feinen Küche, passen. Oder doch?

„Wer meint, dass Sterneköche steif und brav sind, der hat sich verrechnet. Man muss Leidenschaft mitbringen, Ausdauer, Talent – und vor allem muss man irre sein. Wenn man sich die Generationen an Sterneköchen vor meiner anschaut, waren alle auf ihre ganz eigene Art verrückt.“

Und verrückt muss man auch sein, um das Arbeitspensum des selbsternannten Rockers zu bewältigen: Kurze Nächte und lange Tage, die oft mit einem Flug in eine andere Stadt beginnen, um Stunden später wieder zurück ins eigene Gourmetrestaurant in München zu kommen. Hier hat er vor acht Jahren zusammen mit seiner Frau Franzi, einer gelernten Konditorin und erfolgreichen Patissière, das Schweiger² eröffnet – das kleinste Sternerestaurant der Stadt. Doch als die beiden begannen, war kein Michelin Stern geplant. „Wir wollten ein Konzept schaffen, mit dem wir in erster Linie Geld verdienen.“ Salate, Suppen, Flammkuchen – und ein Menü „mit den besten Produkten, die teils aus dem Garten meiner Schwiegereltern stammen – richtig geil eben.“ So geil, dass es bald auch den Testern des Gourmet Guides auffiel. „Als wir dann unerwartet Hoffnungsträger wurden, haben wir richtig Gas gegeben.“

Dann kamen der Stern und das Fernsehen

Der Erfolg liess nicht lange auf sich warten. Seit 2009 trägt das Schweiger² nun den kulinarischen Himmelskörper. Im selben Jahr begann auch die zweite Karriere des Tausendsassas: Er gehört zur Truppe der Kochprofis, die im Fernsehen verzweifelten Köchen aus der Klemme helfen.

Schon als Kind war Andi Schweiger klar: „Ich werde Koch.“ So klar, dass er als Achtjähriger in das Freundschaftsbuch seiner Schwester diesen Traumberuf für die Nachwelt festhielt. Damals ahnte niemand, welche Ausmasse dieser Berufswunsch einnehmen würde. Nach seiner Ausbildung im Restaurant Fallert in Sasbachwalden war der Weg in der gehobenen Küche geebnet. Von dort ging der Jungkoch zu Vincent Klink in die Wielandshöhe. Ein Auslandsaufenthalt in London folgte, ehe es Andi Schweiger in die Münchner Spitzengastronomie zog.

„Alle meine Stationen waren auf gehobenem Niveau. Ich habe immer mit den besten Produkten gearbeitet und irgendwann kannst du auch keinen schlechten Fisch mehr anfassen und willst keine TK-Muscheln. Das ist wie mit einem saustarken Porsche, den du zehn Jahre lang gefahren bist. Danach setzt du dich auch in keinen Golf mehr, du suchst etwas Gleichwertiges.“

Diesen Grundsatz spiegelt auch seine Küche wieder: jung, kreativ und „die geilsten Produkte, die es gerade auf dem Markt gibt“. Dabei bestimmt in erster Linie die Saison – und damit auch immer noch der Familiengarten – seine Wahl, dann die Region und natürlich auch die Neugier, etwas Neues zu machen. „Vor allem mag ich meine Gäste nicht mit der Textur, sondern dem Geschmack auf dem Teller überraschen.“

Andi Schweiger ist ein Getriebener, ständig am Limit – immer dabei, seine Grenzen auszuloten, ohne sie jedoch zu überschreiten. Seinen Ausgleich findet der begeisterte Supermoto-Fahrer beim Snowboarden oder Motorradfahren. „Ich bin auch gerne draussen auf dem Land. Weg vom Grossstadtrummel, dem Lärm und der Hektik.“ Aber eins begleitet ihn auch in der gesuchten Stille: Der harte Klang des dröhnenden Heavy Metal-Sounds.

Restaurant Schweiger², Lilienstrasse 6, 81669 München, http://www.schweiger2.de, Tel.: +49 (0) 89 – 444 290 82

Über die Autorin

Es gibt sie ganz selten. Doch Anja Hanke hat das grosse Glück zu ihnen zu gehören: Den Menschen, die ihr Hobby zum Beruf machen konnten.

Sie liebt gutes Essen, handgefertigte Weine, erlesene Produkte und diese Verbindung an den verschiedensten Orten dieser Welt einzufangen – und für ihre Leser genussvoll aufzubereiten.

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