zurück

Absinth – Die grüne Fee verführt und begeistert

Absinth – Die grüne Fee verführt und begeistert
Copyright Stockfood

Um kaum ein anderes Getränk ranken sich so viele Mythen und Legenden wie um Absinth. Jahrelang sogar verboten, erlebt „die grüne Fee“ seit einiger Zeit ihre Renaissance. Kein Wunder, denn gerade im warmen Spätsommer ist der Klassiker eine willkommene Erfrischung.

Absinth ist das skandalumwitterte Getränk schlechthin. Charles Baudelaire soll sich im Absinthrausch die Haare grün gefärbt und Vincent van Gogh gar sein Ohr abgeschnitten haben. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhundert wurde das Getränk in Künstlerkreisen zunehmend populär; zu den begeisterten Anhängern zählten in den folgenden Jahren auch Edgar Allan Poe, Paul Gauguin, Oscar Wilde oder Ernest Hemingway.

Die besten Weine jetzt preiswert im Onlineshop von Weinclub.com kaufen

Auf dem Höhepunkt seine Popularität wurde der Absinth verboten, da man seinen Thujon-Gehalt für Abhängigkeit und gesundheitliche Schäden verantwortlich machte. Moderne Studien widerlegen dies jedoch: Die gesundheitlichen Schädigungen lassen sich vielmehr auf die schlechte Qualität des Alkohols sowie den übermässigen Konsum zurückführen. Seit 1998 ist Absinth in den meisten europäischen Staaten daher wieder erhältlich.

Formvollendeter Genuss

Wer seinen Absinth geniessen will, der braucht vor allem eines: Zeit. Die grüne Fee trinkt man in Ruhe und kann pro Glas durchaus eine Stunde ansetzen. Schon bei der Zubereitung gilt „in der Ruhe liegt der Genuss“ und es bieten sich vielfältige Möglichkeiten:

Unter Kennern nicht die beliebteste Form der Zubereitung - das tschechische Feuerritual
Unter Kennern nicht die beliebteste Form der Zubereitung – das tschechische Feuerritual

Beim klassischen französischen Absinthritual füllt man das Absinthglas mit 2 bis 4 cl Absinth und bestückt den Absinthlöffel mit ein bis zwei Zuckerwürfeln. Anschliessend giesst man aus einer Karaffe gekühltes Wasser über den Zucker in Glas. Dabei setzt eine natürliche Trübung ein, der sogenannte Louche. Der Absinth ist genussbereit, wenn er sich komplett mit dem Wasser vermischt hat.

Für das tschechische Ritual, auch Feuerritual genannt, legt man ein bis zwei Stück Würfelzucker auf einen Absinthlöffel und giesst Absinth darüber. Der Zucker wird angezündet, wodurch er karamellisiert und in das Glas tropft. Ist er komplett karamellisiert, wird das Glas mit Wasser aufgefüllt. Bei Kennern ist diese Zubereitung eher verpönt, da der karamellisierte Zucker den Geschmack des Absinths verfälscht.

Beim Schweizer Ritual wird komplett auf den Zucker verzichtet. Hierbei lässt man das Eiswasser langsam direkt in das Absinthglas tropfen. Dabei darf ruhig ein wenig spritzen, damit das Gemisch Sauerstoff bekommt.

Ein Brouille ist ein Glasaufsatz, der auf das Absinthglas gesetzt wird. Durch ein Loch in der Mitte fliesst das Eiswasser in den Absinth und erzeugt einen besonders schönen Louche. Diese Art der Zubereitung ist recht einfach und dadurch anfängerfreundlich.

Besonders schön für eine gesellige Runde ist die Zubereitung in der Absinthfontaine. Dafür füllt man den Glasbehälter mit Eiswürfeln und Wasser und zapft anschliessend das gekühlte Wasser aus dem Hahn. Durch diesen tritt ein feiner Strahl aus oder auch nur einzelne Tropfen aus, der über den Zucker läuft und sich sehr langsam mit dem Absinth vermischt. Dadurch entsteht ein besonders intensiver Louche. Unter Kennern ist dies das ultimative Absinth-Ritual.

Für jeden Geschmack

Absinth besteht traditionell aus Wermut, Anis und Fenchel sowie einer Reihe, je nach Rezeptur unterschiedlicher Kräuter. Heute wird er in verschiedenen Varianten verkauft, von mild bis stark und auch ohne Anis hergestellt. Die Unterschiede liegen dabei im Thujon-Gehalt, der per Gesetz bei maximal 35 Milligramm liegen darf, sowie in den Volumenprozent Alkohol.

Absinth wurde in der ganzen Welt getrunken, dementsprechend gibt es heute wieder Sorten aus den verschiedensten Ländern, darunter Frankreich, Deutschland, Schweiz, Italien, aber auch Brasilien oder USA.

Absinth sollte man im Fachhandel oder im Internet kaufen, da es die guten Sorten in der Regel nicht im Supermarkt gibt. Beim Kauf gilt es darauf zu achten, dass dem Absinth keine Zusätze wie Zucker oder Farbstoffe zugefügt wurden, denn die haben in einem guten Absinth nichts zu suchen.

Ausgewählte Weine aus aller Welt jetzt im Onlineshop von Weinclub.com

Unter Kennern geniessen die Marken Duplais, Kallnacher und Kübler aus der Schweiz, Eichelberger aus Deutschland und Francois Guy aus Frankreich einen guten Ruf. Die spanischen Marken Lasala und Montana sind, auch preislich, besonders gut für Einsteiger geeignet.

Ansonsten zählt beim Absinth, wie bei allen anderen Spirituosen auch, in aller erster Linie der persönliche Geschmack. Der besten Weg, den eigenen Lieblings-Absinth zu finden, ist also, einfach mal auszuprobieren.

Über die Autorin

Jeannine Linnepe ist redaktionell seit Jahren in der Außer-Haus-Branche aktiv, unter anderem als Stammautorin der Ausgehführer „Bochum geht aus!“ und „Dortmund geht aus!“.

Neben guten Hotels und Restaurants, welche die freie Journalistin regelmäßig testet und bewertet, gelten ihre besonderen Vorlieben vor allem dem Reisen und der Whiskyszene.

Kommentare

Sicherheitscode eingeben:

Weitere Artikel

Gin-Duett – Auferstehung eines Mauerblümchens

Lange Zeit fristete die Spirituose mit dem typischen Wacholderbeerengeschmack ein Mauerblümchendasein. Doch nun ist Gin wieder in und als Solist salonfähig.

Destillerie Lantenhammer – Bayern mit Umdrehungen

Bayrisch. Edel. Intensiv. Wenn sich der Geschmack der Natur mit dem besten aus der Region vereint, dann trifft man auf die Destillerie Lantenhammer vom Schliersee.

Meine Favoriten
Nach oben

Jetzt Facebook-Fan werden und keine Story verpassen

Jetzt Facebook-Fan werden

Jetzt den Feinschmecker.com
Newsletter abonnieren

Immer auf dem aktuellen Stand - die besten Rezepte & Storys - das Feinschmecker.com Mailing kostenlos abonnieren.

Datenschutz wird bei uns gross geschrieben - wir geben Ihre Daten niemals weiter. Der Newsletter kann jederzeit gekündigt werden.